Als wäre das Rad der Zeit zurück gedreht erscheint es einem wenn C.W. STONEKING mit seinen von Werkarbeit gezeichneten Händen in die Saiten greift. Mit einer Stimme so schwarz wie Teer und Liedern so staubig wie das karge Land, das STONEKING beim zurückgezogenen Leben in den Outlands vor seiner Hütte vorfand, zieht der Handyman mit seinem Primitive Horn Orchestra über Europas Bühnen und holt einem endgültig zurück in die Zeiten vor dem grossen Krieg, wo jeder feierte und wo die Männer noch zu tanzen wussten. Traurige Lieder und Erinnerungen an vergilbte schwarz-weiss Fotos und Zeiten die hart und entbehrungsreich waren, und in denen gerade deshalb der Blues seine Anfänge nahm. Wem bei Songs wie “Jungle Lullaby” nicht warm um`s Herz wird, der hat definitiv keines.
Gerade mal um die zwanzig, das Glastonbury schon auf dem Buckel und auch schon in den berühmten BBC-Studios gespielt: The Kabeedies aus Norfolk könnten sich vom Geheimtipp zum nächsten großen Indieding entwickeln.
Logo, dass die Gang einen Stopp im Swamp einlegt, um das hiesige Publikum von ihren Qualitäten zu überzeugen.
Krawall oder Krach, so haben The Kabeedies ihr Album genannt. Auf Englisch schlicht: “Rumpus”. Das gute Dutzend Songs ist aber alles andere als das. Vielmehr ist das Gute-Laune-Musik, zusammengeschnürt und auf ein Album gepackt. Manchmal reicht sogar schon eine knappe Minute, um ihre freudige Message zu transportieren. Da wird nicht lang gefackelt. Song fertig – next! Genauso Rock’n'Roll wie dieser Ansatz klingt auch der Sound von den Kabeedies - rauer Rockabilly, dazu ein wenig Ska und Pop. Einordnen zwischen: The Maccabees, Bombay Bicycle Club und Los Campesinos!.
Ein Taxi in den Sixties
Da ist was im Busch: The Kabeedies aus Norwich
Die vier aus Norwich, England geben sich gerne etwas extravagant und betonen ihre Eigenheiten: Drummer Fab findet die Fliegerei super und interessiert sich für Politik, Gitarrist Evan ist hyperaktiv, Bassist Rory steht auf amerikanische Literatur und Sängerin Katie träumt sich gern in ihr eigenen Universum. Die Begeisterung für Kunst und den Rock’n'Roll der 50er ist allen Bandmitgliedern eigen.
Zu Schulzeiten fühlten sie sich wohl wie Inhaftierte, zumindest nannten sie sich damals - in etwas anderer Besetzung – The Inmates. Doch dann kam das Kunstwort Kabeedy, angeblich folgendermaßen entstanden: We’re in a cab – im Taxi – and talk about Edie – reden über Sixties-Ikone Edie Sedgwick. Aus “cab-edie” werden die Kabeedies. Nachträglich hat man herausgefunden, dass das in etwa klingt wie das portugiesische Wort für “Kleiderbügel”. Aber das war ihnen da vermutlich schon egal.
Hauptsache es kracht
2007 gewinnen The Kabeedies einen Bandwettbewerb an der Universität East Anglia, erspielen sich die ersten Fans und werden von verschiedenen Labels kontaktiert. Die BBC lässt sie eine Session in den berühmten Maida-Vale-Studios einspielen – und 2008 landen sie schließlich auf der Mutter aller Festivals, dem Glastonbury. Fieberhafte Melodien und die tollsten Frisuren, urteilte der Guardian damals. Mit “Rumpus” und der ersten Europatour trommeln The Kabeedies jetzt für den nächsten Karriereschritt – ordentlich Krach machen. So mögen sie es eben.
Elvis! Wanda Jackson, Tammy Wynette, Loretta Lynn, bluegrass, real country music, Steve Earle, Lucinda Williams, George Jones, nennt Suzette als ihre prägenden Einflüsse. Anhören tut`s sich dann so:
Sicher nicht die erste Bands aus London, die sich die Etikette Artrock auf ihre Fahnen näht, aber eine die fast ohne Industrie und Testosteron eine Menge Staub aufgewirbelt hat. Sarah Daly schafft es mit ihrer Stimme den Sex von METRIC neben der Wut von YEAH YEAH YEAHS zu vereinen. Eine der interessantesten englischen Bands derzeit !!! Scanners zelebrieren einfach unverbrauchten Wave mit der Vielschichtigkeit des Pop & dem Background von Indie & Punk. Klasse !!! Die Basis für eine große Fanbase existiert bereits: über 300.000 Myspace Clicks, diverse Europa & US Touren, ein Release auf Dimmak (Bloc Party, The Rakes, Klaxons)
So lautete der Text vor dem ersten Swamp-Auftritt der Band und wer dabei war wird sagen müssen: Null übertrieben. Klasse Band, symphatische Gang, tolles Konzert.
Und jetzt komen sie wieder mit neuer Platte im Gepäck, über die die Kritiker folgendes schrieben:
Die Scanners vollbringen das Kunststück trotz Retro-Sound frisch zu klingen und läuten für mich in diesem Jahr musikalisch gesehen den Frühling ein.
Achtung: Nach dieser Ein-Satz-Review folgt eine hemmungslose Lobhudelei!
Denn: Kaum einer Band gelingt es so gut, Blondie-esquen New Wave zu assimilieren, sich beim Post-Punk zu bedienen und die bewährten Zutaten zu etwas Neuem, Eigenen zu verweben. Zwei als Geschenk dargereichte Kostproben wurden uns bisher vom neuen Album auf dem Silbertablett serviert. We Never Close Our Eyes (Download hier) hat Kraft und Potential ganze Indie-Disco-Floors zu füllen. Wer zu MetricsHelpI am Alive abrockte, dürfte diesen Song lieben. Nicht ganz so wütend wie Emily Haines, dafür aber mit der Laszivität der ravonetteschen Sharin Foo darf sich Sarah Daly mit den Scanners spätestens nach dem zweiten Album zur ersten Riege der “Female fronted”-Bands zählen.
Abseits von Blümchenwiesen, Heile Welt oder reinen Boy-Meets-Girl-Storys legen die Scanners den Finger in die Wunden unserer Zeit und Seelen. Wecken mit Dreamer Forever die eben selbigen auf aus Lethargie und Tagtraum, verpassen den nötigen Tritt in den Arsch. Melodiös, aber bestimmt schwingt hier eine wohltuende Portion Aggression mit. Schon der Opener Jesus Saves kommt scheinbar harmlos mit Twee daher, um uns mit den bitterböses Lyrics eines Besseren zu belehren. Die CD dreht sich nicht nur weiter im Player, sondern wird mit den folgenden Tracks schneller und wandelt sich vom Pop zum Rock-Album.
Anspieltipps:
A Girl Like You atmet Leiden und Leidenschaft aus jeder Pore, die Synthies tauchen ein in die New Wave-Gefilde der 80er Jahre, während die Post-Punk-Gitarren und der herrlich angepisste Gesang Sharin Foos den schönen Konterpart geben. Hier wird nicht mehr nur verträumt melancholisch gelitten wie in den zur Zeit übermäßig musikalisch zitierten 80ern. Die neue Generation protestiert und fordert. Vor Florence Welsh braucht sich Sharin Foo also auch nicht verstecken. (Da der Rezensentin die lobenden Adjektive auszugehen drohen, muss halt noch ein Künstler-Vergleich her).
Baby Blue ist eine wahre Indie-Rock-Hymne die Submarine aus New Wave-Disco-Sphären auf die große Stadionbühne hebt. Salvation(Free Mp3 hier) war eben nur ein Vorgeschmack, wenn auch ein sehr guter.
Ruhiger, dafür mit brillianter Intensität geht Strangelovehate unter die Haut und lässt viele Pop gewordenen männliche Indierock-Genossen blass aussehen.
Fazit: Das zweite Album gilt allgemein als das schwierigste, das erste als Versprechen, das es beim Nachfolger einzulösen gilt. Die Scanners enttäuschen nicht, Submarine ist ein sehr starkes Album geworden, mit dem der Band hoffentlich der Durchbruch gelingen wird. Kleiner Wehmutstropfen für uns: Submarine ist hierzulande nur als Import-CD oder Mp3-Download erhältlich. Violence Is Golden, das Erstlingswerk, musste ganze 3 Jahre auf den Deutschland-Release warten. Dank Last.fm können wir Submarine aber fernab unsinniger Ländergrenzen in voller Länge hören und genießen.
Man darf sich vom Alter der vier Dänen um die 20 nicht täuschen lassen: Thee Attacks spielen großartigen Garagerock mit gewaltigen Riffs, der genauso gut aus dem goldenen Zeitalter der britischen Mods stammen könnte. Ihre Interpretation des 60s Sounds überführt auf ihrem Debütalbum „That’s Mister Attack To You“ Beat, R’n’B und den Protopunk von Bands wie The Kinks, The Sonics und The Who ins Jahr 2010. Produziert wurde es von Liam Watson (der auch für „Elephant“ der White Stripes verantwortlich zeichnet) in den Toe Rag Studios in London, das bekannt ist für eine einzigartige Sammlung von analogem Vintage Equipment, das auf „That’s Mister Attack To You“ auch ausschließlich zum Einsatz kam.
Nick Curran, geboren 1977 in Biddeford, Maine, ist für viele einer der heißesten weißen Rock’n Roll und Blues-Sängerdurch und durch schwarze Bluesstimme.
Seiner neuste Platte mit den Lowlifes bewegt sich in verschiedenen Stilen, von schnellen und rockenden Rythm’n Blues, über grundauf ehrlichen Blues bis hin zu knallenden Rock’n Roll-Nummern und 60s-Nummern, die die Hüften zum Kreisen bringen.Vielfach hört man sogar Anflüge von frühen Misfits oder den Sonics raus.
Genial Platte, einfach absolut empfehlenswert!